Ilma Rakusa. Impressum:Langsames Licht. Gedichte

Diese Gedichte sind wie bunte Tränen, die auf ein Aquarell von der Erde fallen. Immer wieder treffen sie darin auch auf Osteuropa. Sicherlich nicht von ungefähr. Ilma Rakusa ist in Rimavská. Sobota, der Slowakei geboren und verbrachte die frühe Kindheit in Budapest, Ljublijana und Triest.

Der Mensch scheint in dieser Lyrik auf der Welt als einem Platz ausgesetzt, mit dem er sich arrangieren muss, trotz aller Widrigkeiten. Aber, und dies ist die hohe Kunst in den Elfzeilern, den zuweilen wie Sprechgesängen anmutenden Versen oder Gedichtzyklen, der Zustand bleibt ohne Wehklage.

„Spiel ohne Spiegelung? Etwas reibt sich, etwas/berüht sich./ Das Auge dringt fragend in diese/Natur. Sucht ihren Grund. Und sieht: er ist/ Oberfläche. Und sieht er ist Schlund.“

Impressum: Langsames Licht gliedert sich in sieben Teile, die einander ablösend wie das Meer auf das Land treffen. Allesamt sind ihnen Haikus vorangestellt, die, für sich genommen, wiederum ein Gewebe bilden, das sich wie ein versöhnliches Netz über die übrigen Gedichte legt. Dabei erscheint die Welt zuweilen unversöhnlich, „die Hornhaut des Himmels in Kältemetaphern“. Aber die Erbarmungslosigkeit der Natur wird zu einem Phönix. „Vielleicht Brandung mit einer farbigen Steinreihe./Dahinter Wasser, hell oder dunkel wie Tinte,/schäumt und atmet alle Nuancen von Licht.“

Das Licht übernimmt die Rolle der Transzendenz, die erdnah bleibt, gebunden ist in den Steinen, der Sanduhr, der marokkanischen Schale.

Ilma Rakusa ist eine Schauende, keine Sehende, das macht sie bodenständig. Aber sie schaut sehr genau, mit allen Sinnen, und dieses Schauen ist voller Musikalität. „Zitronen, Zeitungsverkäufer mit traurigem/ Blick und ermatteter Zunge. Zigeunerkids./Der Rahmen ist keiner: ein Corso, ein Park,/verschattet. Aber Gerüche gibt´s wie in den/ Küchen der Kindheit: nach geröstetem Mais/und gerösteten Mandeln. Der Wind trägt“.

Dem, was sie über ihr Schauen mitteilt, kann man sich nur schwer entziehen, ohne dass es sich aufdrängt. Dabei ist es laut und leise zugleich, wohltuend fremd und vertraut, wie ein faszinierender Film über die atmenden Poren der Welt.

Ilma Rakusa: Impressum: Langsames Licht. Gedichte. Mit einem Nachwort von Aleš Šteger. Droschl-Verlag, Graz 2016.

http://www.droschl.com/buch/impressum-langsames-licht/