Sascha Kokot. Ferner

„auf meinen Beinen schläft im weißen Pelz / die Unruhe am Morgen / der Hunger in den Abendstunden / die wärmende Behaglichkeit dazwischen“.

Die Gedichte des Lyrikbandes Ferner sind dunkel grundiert. Sascha Kokot zeichnet ein bleiches Gesicht in diese Dunkelheit. Es lacht nie. Aber es hat schöne Züge, die in den fünf Teilen des Buches unter anderem ausgeleutet werden. Die Menschen darin, das Wir, das Du und das lyrische Ich scheinen verzweifelt, von Ängsten geplagt.“Angst in dir hat sich schon lange / ihren Platz gesucht und schläft dort ruhig / lässt dich unbewacht“.

Und es ist Winter zumeist „doch mir bleibt der Polarfuchs / auf meinem Schoß in sich verschlungen / und meine immer milder werdenden Winter /

Ein Hauch Lyrik Noir – wenn es den Begriff denn gäbe -, die seismographisch ihre Zeit abfühlt, die Unruhe und Rücksichtslosigkeit des urbanen Lebens, ihre Kälte und Tristesse, macht Kokots Gedichte so faszinierend, so eindringlich.

„wir wissen nicht was vonnöten sein wird / fest steht nur die Kälte zieht an / und wir füllen langsam das Schrot / in die Patronen“. Und „halten wir am Auftrieb fest / der uns hier oben trägt / in seinem kalten Bauch“ Die Resignation wird zum Überlebensprinzip, getragen von der Schönheit der Melancholie, die sich in den Gedichten, wie in zerbrochenen Spiegeln abbildet. Die feine Maserung des Blattes auf dem aufwendig gestalteten Buchcover könnte dazu eine Variation bedeuten.

Sascha Kokot. Ferner. Edition Azur, 2017.

http://saschakokot.de/lyrik/ferner