Sigune Schnabel. Apfeltage regnen.

„Ich atme Worte / aus dem Echo der Berge.“ Ein allumfassendes Weltgefühl flackert durch die Gedichte von Sigune Schnabel, wie man es aus der Romantik kennt. Die Worte, die Kindheit, und immer wieder die Natur gären darin in einem klaren Rhythmus, dessen Schönheit etwas von dem gleichmäßigen Gang der Wellen eines beruhigten Meeres hat. Und Wellen und Meer sind auch und gern Thema.

„Ich bin ein Stück Land / in weiter See, / und die Gedanken Gräser / auf den Deichen.“

Einige Gedichte sind wie Weidenglanz, aus anderen tropft die Schönheit schwarzer Rosen.

Alles hat seinen Platz und ist in einen Kosmos komponiert, der sich über das Werden und Vergehen hinwegzusetzen scheint.

Das vermeintlich Spektakuläre sucht man vergebens in diesen Texten, die gleichsam schlicht als auch brillant daherkommen, auch scheinen die Beobachtungen des Lyrischen Ich nicht exklusiv. Exklusiv aber ist die Herangehensweise mit der die Lyrikerin hier Innenschau betreibt, einen Entwurf gibt von dem Ineinanderfließen von Psyche, Natur und Zeit.

„Ich habe mich leer gewintert, / sage ich / und bleiche meine Sätze / für dunkle Tage.“

Aber das Lyrische Ich versteht sich dabei auf die Kunst des Zurücknehmens.

„Die Sprache, die ich finde, / legt sich nicht auf die Welt, / bleibt Wind,“

Selbstbespiegelung ist etwas, was man der Lyrik gerne vorwirft, zumal wenn sie wie bei Sigune Schnabel unpolitsch ist. Vergessen wird dabei immer gerne, dass alle Politik im Selbst ihren Anfang nimmt und kein Du ohne das Ich auskommt.

Der Band „Apfeltage regnen“ ist bebildert mit Zeichnungen von Gertraude Nitsch, die die dargestellten Innenwelten mit sehr ansprechenden Farbakzenten bespielen, die in ihrer Intensität an das Werk von August Macke erinnern.

Sigune Schnabel. Apfeltage regnen. Gedichte. Geest-Verlag, 2017

http://geest-verlag.de/buecher/schnabel-sigune-apfeltage-regnen-gedichte-bilder-von-gertraude-nitsch