Nico Feiden. Das Echo des Weines

„Immer bleibt ein herzschlag in den bergen stecken, / noch bevor die landschaft sich öffnet, / gen süden.“ Die Texte dieses blutjungen Lyrikers verdichten seine Reisen durch Europa. Sie sind voll streunender Melancholie, auf deren Schatten die Schönheit der Welt trifft, etwa zwischen „porto & valencia“. Die Beschwerlichkeit des Unbehaustseins wird in faszinierender Weise plastisch gemacht. „die kippen befeuchtet vom tau, / man lässt uns hier liegen, / wie scherben, / die gestern noch / flaschen waren“.  Die Lage, immer wieder ist sie auch verzweifelt, wären da nicht die Tagträume, deren Ineinanderfließen von Lust, romantisierender Beobachtungen des Unmittelbaren und auch der Natur an Aquarelle erinnert. Dabei sind sie nie schönfärberisch. Nico Feiden steht nackt vor seinen Gedichten. „meine küsse wehen / nicht mehr durch die / haare der huren / von neapel“. Sie bleiben immer authentisch, mit jedem Atemzug, auch in ihrem Rhythmus, der Melodie des Laufens, unterbrochen von den Pirouetten des Ankommens, etwa zwischen den Weinbergen an Rhein und Mosel, die wieder neues Aufbrechen einleiten, „um dann ruhelos zu reisen / & den morgen dämmern zu sehen“. Betörend zieht er sich durch die Langgedichte als auch durch die kürzeren Formen.

Der Lyrikband gliedert sich in zwei Kapitel, das erste, mit „unterwegs“ überschrieben, und das zweite, es heißt „heimat“. Heimat, die in den Gedichten nie Endgültigkeit beansprucht, wird vorübergehend auch in der Liebe gefunden. „deine augen sind / ölflecken in den farben / der alten maler, / die sternnomaden suchen“. Obwohl das lyrische Ich inmitten des sanften Rausches der Zweisamkeit auch um Selbstbehauptung ringt. Angst vor dem Entfernen und Angst vor überbordender Nähe gehen einen Komplott ein in Feidens Poesie. Das macht sie in bezaubernder Weise rätselhaft, wollte man psychoanalytisches Werkzeug anlegen.

Vielleicht ahnt das lyrische Ich um die Ausweglosigkeit der Suche nach Heimat auf den Straßen Europas, weil diese Suche vorgeschoben ist, die Suche nach sich selbst meint?

Wie dem auch sei. Diese Suche jedenfalls trägt reiche Früchte in Form von wunderbaren Texten, in denen auch immer wieder aphorismenähnliche Verse mit Weisheiten überraschen, die diese sehr überzeugende Dichtung zusätzlich veredeln.

„jede wahrheit hat zwei gesichter / & jede lüge tausend die sie glauben.“

Nico Feiden. Das Echo des Weines. Rhein-Mosel-Verlag, 2017

http://www.r-m-v.de/edition-schrittmacher/658-das-echo-des-weines

 

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