Yitzhak Laor. Auf dieser Erde, die in Schönheit gehüllt ist und Wörtern misstraut

„Die Welt ist ein volles Aquarium / drückt an mein Fenster“. Vielleicht, um dem Druck standzuhalten, hat der israelische Lyriker Yitzhak Laor Gedichte geschrieben. Sie  erstaunen, bringen zum Zittern und zum Weinen, denn der Dichter, einer der bedeutendsten Gegenwartslyriker Israels und so alt wie dieser Staat selber, hat immer wieder die israelische Gesellschaft in seinem poetischen Fokus, mit den Splittern von Krieg und Gewalt im Herzen, inmitten des Atems der Verlässlichkeit des Todes. Er kennt diese Splitter aus eigener Anschauung. „die Nasenlöcher. Oh, verlassne Haine wilder Orangen, unser / Land steht in Blüte wie eine erregte Braut, und ihre Bräutigame, Frauen / Männer, Juden, Araber, werden bekränzt verharren, barfuß / schweigend sich erinnern: O Heiligkeit unsres Lebens, Gäste/Fremde / sind wir im Land“.

„Worte sind der Verband, Worte / sind die Wunde, Worte sind / das Salz“. Und er präsentiert sie in filigranen lyrischen Geflechten, die mit groben Mustern gepaart sind, feinsinnig und robust zugleich also daherkommen, mal als Langgedicht, auch im Querformat, dann nur mit einer Handvoll Zeilen. Dieser Band, der zweisprachig vorliegt, und von Anne Birkenhauer aus dem Hebräischen übersetzt wurde, versammelt Gedichte, die in den Jahren zwischen 1979 und 2016 entstanden sind. Sie garantieren verzweifelte Existenzsicherung selbst in der Stunde des Todes. „der Tod zieht an uns vorüber wie eine hungrige Frau.“

Oder sie zeichnen das Gesicht der Einsamkeit im Haus, nach dem Tod der Geliebten. „Unsre dunkle Wohnung in der ich einst / riechen konnte wo du schläfst auch ohne Licht zu machen / bläht sich ohne dich auf wie eine dunkel anlaufende Leiche“.

Andere Gedichte wieder suchen nach der Essenz der Zweisamkeit lebender Liebender. Für die Verschmelzung bedarf es hier keines Geschlechtsaktes, sondern der „Konzentration“, als eine andere, spektakuläre Art der Verinnerlichung. Mit Liebesgedichten hat man es da zu tun, deren Poesie wie Mauersegler um Meeresklippen gleitet. Die Feinfühligkeit dieser Gedichte soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass man es hier auch mit einem politischen Lyriker zu tun hat, dem die Geschichte und Geschicke Israels am Herzen brennen, was in sehr berückenden, authentischen Versen seinen Ausdruck findet. Der Leser wird dicht an die Handlung gezogen, kann in die Bilder eintauchen wie in kristallklare Bergseen.

Yitzhak Laor. Auf dieser Erde, die in Schönheit gehüllt ist und Wörtern misstraut. Matthes & Seitz, 2017

https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/auf-dieser-erde-die-in-schoenheit-gehuellt-ist-und-woertern-misstraut.html?lid=1

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