Christoph Danne. Aufwachräume

Der Blick eines Reisenden legt Spuren in das, was er sieht. Diese Spuren fangen die Gedichte des Lyrikbandes Aufwachräume von Christoph Danne auf. Port Said, Tripoli, Rom, Westflandern etwa  oder Santa Ana werden so über Miniaturbeobachtungen des Alltagslebens in einem bunt geschliffenen Glas gespiegelt. Das macht diese Lyrik nicht nur eindrücklich, sondern auch authentisch, wenn sie das vielleicht auch gar nicht sein will, eher venezianische Masken liebt, die erst auf einer Metaebenen heruntergenommen werden. „vor der säuferbodega von hemingway / werden rasselnd die stühle / von der kette gelassen / und in den lungen einzwei dauerläufer / steckt noch morgenluft / .

Selbst das Skurrile nimmt man demzufolge als bare Münze.  „es war an der zeit manches / in kleinere kisten zu / packen um nicht alle / tage so schwer zu / heben um für den / fall einer reise oder eines / rohrbruchs vorbereitet zu / sein es war an der /

Dannes Lyrik ist entdeckend, wühlt dabei grandiose Bilder aus sandigen Böden, die in ihrer poetischen Kraft beeindrucken, aber wie Federn schweben, die der Wind wie zufällig verteilt. „unter glühendem fels / die eidechsen und das meer / um die stämme sammeln sich / ameisen bilden staaten/ das geräusch im unterholz / trugen wir mit uns fort“.

Die Überschriften der einzelnen Gedichte lesen sich zuweilen wie knappe Notizen aus einem Reisetagebuch.  Über die dazugehörigen Texte gewinnen sie eine ungewöhnliche Leuchtkraft, die das pars pro toto in einen Weltzusammenhang webt, der den eher kurzen, schönen Gedichten Charisma verleiht, das anhänglich macht. „gelb fahl kränkelt der mond / schleppt sich auf seine bahn / und wir versuchen / ein gespräch /

Nichts ist zögerlich, alles scheint überschaubar, selbst das Unwegsame. Sogar die Ränder des Metaphysischen, die Danne nicht ausspart. Weil sie ihn beeindrucken? Das verrät er uns nicht. Sie sind einfach da, müssen nicht hinterfragt werden, dürfen nüchtern dahingleiten.

Dennoch: „sag es bleibt wenn / wir fort sind / sag dass jenes / rätsel einmal gelöst / von neuem sich stellt / .

Christoph Danne. Aufwachräume. Parasitenpresse, 2017

https://parasitenpresse.wordpress.com/2017/04/25/christoph-danne-aufwachraeume/

Ein Kommentar zu „Christoph Danne. Aufwachräume

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